Image by marra

ÜBER DAS NATURMATERIAL KORK

Kork ist eine natürliche pflanzliche Alternative zu Leder und steht diesem in keiner Weise nach.
Wie Kork, die Rinde der Korkeiche, zum nähbaren Korkstoff (auch Korkleder genannt) wird und woher dieser kommt, findet ihr in den unteren Abschnitten, als kleines Kork-Wiki, genau beschrieben.
      

 

Was ist Kork überhaupt und woher kommt er eigentlich?

Kork ist die Rinde der Korkeiche. Diese wird geschält und die abgeschälte Rinde wird zu einer Vielzahl an unterschiedlichen Produkten weiterverarbeitet.
Am bekanntesten sind natürlich die Flaschenkorken oder die Verwendung als Fußbodenbelag, Dämm- und Dichtungsmaterial, in der Fischerei als Schwimmer an Angeln und Netzen, als Pinnwand, für den Blasinstrumentenbau, als orthopädisches Schuheinlagenmaterial, für Yoga-Blöcke, im Textilbereich für Kleidung und last but not least natürlich bei der Fertigung von Taschen, Rucksäcken und Porte-monnaies! Was für ein vielseitig einsetzbares Material!

Korkeichen wachsen hauptsächlich im Mittelmeerraum, d.h. Portugal, Spanien, Südfrankreich, Italien und auch in Nordafrika.

Meinen Kork beziehe ich direkt aus Portugal, dem weltweit größten Korkproduzenten. Mehr als 30% der Korkeichen wachsen in Portugal und mehr als 50% des weltweiten Korkrohstoffs kommen von hier. Die sogenannten „Montados“ (Korkeichenwälder) prägen die Landschaft des südlichen Portugals.
Portugiesische Korkwälder sind FSC-zertifiziert (Forest Stewardship Council). Dies bedeutet, dass der Wald das Zertifizierungsprogramm zum Pflanzen oder Fällen von Bäumen durchläuft, um die perfekte Harmonie für das Ökosystem zu gewährleisten.

Image by Victoria Feliniak
Portugal, Alentejo region. Recently harvested cork oak bark drying in the sunshine. (unpro
CORK OAK, MEN WORKING IN CORK HARVEST (Quercus suber) .jpg

Ernte der Korkrinde und Produktionsschritte bis zum fertigen Korkstoff
 
Ernte:
Die erste Ernte (das Entfernen der Rinde) der Korkeiche findet erst nach etwa 25 Jahren statt. Danach kann erst wieder alle 9‑12 Jahre geerntet werden. Immer zwischen Mitte Mai und August. Eine Korkeiche kann bis zu 200 Jahre alt werden und wird bis zu 15 Mal geerntet. Sie ist der einzige Baum der Erde, dessen Rinde man schälen kann, ohne dass er davon Schaden nimmt.

Die Rinde wird bei der Ernte in Handarbeit mit einer Machete/Axt vorsichtig vom Stamm gelöst. Je größer das Rindenstück umso besser. Erfahrene Facharbeiter sind daher gefragt, die diese seit Generationen gepflegte traditionelle Schältechnik beherrschen. Sollte die Rinde dabei doch beschädigt werden, kann der Baum geschwächt werden oder sogar absterben. 120 Euro kann ein Schäler pro Tag verdienen, womit diese Ernte zu den bestbezahlten der weltweiten Landwirtschaft gehört.
Der fertig geerntete Baum wird abschließend mit der letzten Ziffer der Jahreszahl der Ernte beschriftet.

Das Ernten der Korkeiche hat auch einen positiven Einfluss auf die CO2-Bilanz! Durch das Schälen der Rinde wird die Fähigkeit zur Aufnahme von Kohlendioxid gesteigert. Die sieben Millionen Hektar Korkwald rund um das Mittelmeer kompensieren jedes Jahr 20 Millionen Tonnen CO2.

Produktion:
1. Die abgeschälten Korkplatten werden mehrmals gekocht, damit alle Bakterien und Pilze abgetötet werden. Korkeichen werden nicht mit Pestiziden behandelt, daher können Pilze und Bakterien unkontrolliert wachsen. Wenn der Kork nicht durch das Kochen "desinfiziert" wird, kann dies z.B. bei Flaschenkorken zu „verkorkten Weinen“, einem unregelmäßigen Aussehen oder einer ungleichen Farbstruktur führen.
Durch die Hitze beim Kochen und durch das Gewicht des gestapelten Korks glättet er sich. Er wird daher nicht maschinell gepresst, sondern der Vorgang erfolgt auf natürliche Weise. Da keine Chemikalien o.ä. bei diesem Vorgang verwendet werden, enthält das Wasser keine giftigen Stoffe und zählt zum normalen Abwasser ohne Verschmutzungsrisiko.

2. Die Korkstücke werden in drei Schichten geschnitten. Für den Korkstoff, oder auch Korkleder genannt, wird die mittlere Schicht der Rinde verwendet (die anderen Schichten für z.B. Korken oder Bodenbeläge). Somit wird die komplette Ernte verwertet und nichts weggeworfen. Für den Korkstoff sind anteilig jedoch nur wenige Prozent verwendbar.

3. Anschließend muss der Kork 3‑4 Monate trocknen und ruhen.

4. Von den getrockneten Korkblöcken werden nun dünne Scheiben geschnitten und auf einer Unterlage befestigt. Dies ist i.d.R. ein Baumwollstoff, teilweise mit etwas Polyesteranteil gemischt. Die Korkscheiben werden aufgeklebt, gepresst und nochmals abgeschliffen.

Je nach Hersteller beziehe ich Kork mit reinem Baumwollstoff als Unterlage oder ca. 65 % Baumwollstoff mit 35% (recyceltem) Polyesteranteil.

Der Klebstoff, mit dem die dünnen Korkscheiben angebracht werden, basiert auf  Wasser und nicht auf Lösungsmittel. Somit ist er umweltfreundlich.

Beim gemusterten, sprich bedruckten Kork, wird eine umweltfreundliche Druckfarbe auf Wasserbasis verwendet.

Fazit:
Bis eine Korkeiche überhaupt das erste Mal geerntet werden kann, dauert es sehr lange. Die Ernte an sich und die anschließende Herstellung von Korkleder ist sehr aufwendig und mit viel Handarbeit verbunden.

Harvested cork oak bark from the trunk of cork oak tree (Quercus suber) for industrial pro
Close-up of Finished Cork Bark Ready for Manufacturing into Cork Stoppers for Wine and Cha
 
 

Gibt es nur Naturkork oder auch farbigen und gemusterten Kork?

Ob in Natur, einfarbig, mit Glanzhighlights in Silber oder Gold oder mit tollen Mustern bedruckt ‑ alles ist möglich!
Der Kork an sich hat bereits eine Struktur durch seinen natürlichen Wuchs, wodurch jedes Stück und somit auch jedes gefertigte Produkt ein Unikat ist.

Es gibt einfarbigen Kork in allerlei Farben von weiß über bordeauxrot bis hin zu dunkelblau.

Zudem gibt es eine tolle Auswahl an bedrucktem Kork. Für den Aufdruck wird bei den von mir verwendeten gemusterten Korken eine Druckfarbe auf Wasserbasis verwendet. 

Welche Eigenschaften hat Kork?

▪️ Leicht:
Kork ist ein super leichtes Material und fällt beim Tragen somit buchstäblich kaum ins Gewicht. Die Zellen sind von Natur aus mit einem luftähnlichen Gasgemisch gefüllt. Dies macht den Kork leicht und elastisch und gleichzeitig robust und widerstandsfähig.

▪️ Wasserabweisend:
Denkt man an Flaschenkorken, eigentlich logisch oder? Diese sind sogar wasserdicht.

▪️ Nachhaltig:
Kork ist die Rinde der Korkeiche und daher ein natürlich nachwachsender Rohstoff.

▪️ Vegan:
Auch wenn er oft als Korkleder bezeichnet wird, ist nichts „Tierisches“ daran. Da Kork von der Korkeiche gewonnen wird, ist das Material pflanzlich und tierversuchsfrei, sprich vegan. Die meisten Hersteller sind PETA geprüft und haben das entsprechende Siegel.

▪️ Elastisch und anschmiegsam:
Wie teilweise tierisches Leder, zeichnet sich Korkleder durch eine hohe Elastizität aus, sodass es gut zu verarbeiten ist und mit der Zeit auch sehr anschmiegsam wird.

▪️ Feuerfest (der Kork an sich, die Baumwollschicht beim Korkleder nicht):
Korkeichen halten den meisten offenen Feuern stand (bei Waldbränden). Die Rinde ist feuerbeständig und so werden die Bäume vor totaler Zerstörung geschützt!

▪️ Weitere Eigenschaften:
Warm, weich, atmungsaktiv, robust...


Pflege:
Kork bedarf nicht vieler Pflege.
Sollte der Kork (speziell bei den natürlichen, helleren Tönen) mal verschmutzt sein, einfach einen Lappen anfeuchten und mit etwas Spülmittel abreiben, die Seifenreste entfernen und den Kork danach lufttrocknen lassen.